Mehr Kreativität wagen – Wir spielen zuwenig!

Innovationsfähigkeit und Kreativität hängen eng zusammen. Beide Faktoren haben demnach eine große Bedeutung für unsere zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Daher hat mich eine US-Studie erschreckt, die von einer meßbaren Kreativitätskrise spricht, welche auch dadurch zustandekommt, daß wir insgesamt zu wenig spielen.

Angenommen, daß auch hierzulande das Bildungs- und Berufssystem ähnlich kreativitätshemmend ist – mit denselben Folgen. Stellt sich dann nicht die Frage, nach dem persönlichen Ausweg?

Es gibt sehr gute Spielzeuge auf dem Markt, die Kindern und Erwachsenen dabei helfen, ihr technisches Verständnis zu trainieren. Heute plädiere ich dafür, sich solche Angebote einmal genauer anzusehen.

Abnahme der Kreativität

Das folgende Zitat aus dem unten angeführten Artikel Can Playing With Lego Make You More Creative?, besagt, daß die Innovationsfähigkeit immer wichtiger wird für das Wohlergehen von Unternehmen und Gesellschaften.

Trotzdem, so hat eine amerikanische Studie herausgefunden, nimmt ein wichtiges Element der Innovationfähigkeit seit 1990 konstant ab – die Kreativität.

If successful companies and societies of this next century are defined by their ability to innovate–a trope repeated constantly in business seminars, surveys, and speeches–then the U.S. may be headed for a rough time: On average, Americans’ ability to think creatively has declined.

This trend has been called “the creativity crisis,” and was defined by a major study in 2011. Researchers looked at a common measure of creativity in 300,000 kids and adults over time and found that, unlike IQ scores, creativity had been declining since 1990. The effect was most marked in elementary-school-age kids.

Das Thema Innovation ist auch hierzulande angekommen, und wird zunehmend als wichtig eingeschätzt. Weiter unten finden Sie die beiden Artikel, Innovationsförderung: Deutsche Firmen investieren Rekordsumme in Forschung, sowie ZEW-Forscher schlagen Alarm: Institutschef Fuest fordert mehr Innovationen, die auf der einen Seite die Bedeutung betonen, auf der anderen Seite auf Defizite hinweisen.

Technisches Spielzeug

Im Deutschen Museum in München ist eine Sonderausstellung zum Thema „Technisches Spielzeug“ zu sehen. Dort werden insbesondere die Produkte der Firmen Lego und Fischertechnik gezeigt, obwohl nicht unerwähnt bleiben soll, daß es auch andere Hersteller gibt (Auch erwähnt werden sollte, ist, daß ich in keinerlei Beziehung mit den Herstellern stehe, deren Produkte ich hier heute bespreche).

Viele von uns kennen die Produkte der erwähnten Firmen vielleicht aus der eigenen Jugend, und wissen daher aus eigener Anschauung um das kreativitätsfördernde Potential solcher technischen Spielzeuge. Inzwischen bieten beide Hersteller unter dem Oberbegriff „Computing“ Erweiterungen an, die sich durchaus auch für Erwachsene eignen.

Ein typischer Baukasten

Ein typischer solcher Baukasten besteht aus den Baumaterialien, um definierte Modell herzustellen, und er bietet zudem eine Computersteuerung, die sich auf einfache Art und Weise programmieren läßt. Hiermit lassen sich dann zum Beispiel eigene Roboter bauen, oder es lassen sich auf einfache Art und Weise neue Steuerungen für Maschinen ausprobieren.

Dies macht diese Kästen letztendlich auch interessant für Arbeitsgruppen in Unternehmen – sei es im Bereich Training, oder zum Beispiel beim Konzeptentwurf technischer Lösungen.

Die Produktphilosophien der beiden Hersteller unterscheiden sich voneinander, wobei es vermutlich auf den konkreten Einzelfall ankommt, für welches der Produkte man sich selbst entscheidet. Jedenfalls haben meiner Meinung nach (für einen erwachsenen Anwender) beide Angebote ihre Vor- und Nachteile, unterscheiden sich jedoch nicht so grundlegende voneinander, daß man von einem klaren besser/ schlechter sprechen könnte.

Lego Mindstorms

Lego Mindstorms ist wohl der Marktführer im Bereich computerisierte Modelle, bzw computerisierte Modellbaukästen. Weiter unten finden Sie einen Link auf die entsprechende Homepage mit dem Produktangebot, auf der Sie sich selbst ein Bild machen können.

Gerade neulich ist eine neue Version der Computerplattform herausgekommen, die es dem Nutzer ermöglicht, verschiedene vorgedachte Modelle zu bauen und zu programmieren. Die Baukästen existieren in einer Spielzeugversion für den Privatanwender, und in einer Version für Bildungseinrichtungen und lassen sich nahezu endlos um zusätzliche Sensoren und Aktoren erweitern.

Hiermit lassen sich demnach beliebig komplexe Robotermodelle bauen und Ideen einfach programmieren, d.h schnell ausprobieren.

Ein Blick in die sehr aktive Community gibt Ihnen einen guten über die Projekte, die einzelne Besitzer realisieren, und sie zeigt Ihnen, daß es weitere Hersteller gibt, die ergänzende Bauteile anbieten. Beides ist insbesondere wichtig, wenn man daran denkt, wie wichtig die Erweiterbarkeit ist, bzw welche kreativitätsfördernde Bedeutung der Austausch in einer Community hat.

Fischertechnik Computing

Fischertechnik Computing (Link auf die Homepage: siehe unten) bietet seine Baukästen in einer Variante für den Privatanwender an, hat aber auch Lösungen für die Industrie im Angebot. Der Inhalt der Kästen ist vergleichbar mit dem Angebot von Lego, und gestattet es dem Nutzer genauso, vorgedachte und eigene Modelle zu bauen, und per Software zu steuern. Allerdings erscheint mir das Marketing weitaus stärker auf den erwachsenen Nutzer ausgerichtet zu sein, als dies bei Lego der Fall ist.

Interessant sind hier auch die Erweiterungsbaukästen einmal zum Thema Robotik, und dann zum Thema Pneumatik, da sie einen gezielten Einstieg in weitere technische Prinzipien ermöglicht.

Die Community erscheint auf den ersten Blick nicht ganz so groß wie bei Lego, erscheint mir jedoch groß genug, um schnell eigene erste Schritte mit den Produkten machen zu können. Auch gibt es die Möglichkeit, Fremdprodukte anzubinden, und die Lösung zu erweitern.

Einsatzgebiete

Im Sinne des Kreativitätsdefizits, von dem weiter oben die Rede war, lassen sich die Baukästen beide einsetzen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß sich hiermit die „technische Kreativität“ verbessern läßt. Hier nur einige Bauideen, deren Umsetzung ausreichend Raum für eigene Kreativität bietet:

  • Entwurf autonomer fahrerloser Systeme
  • Steuerungsentwurf für eine Baumaschine
  • Sortieranlagen
  • Ein Roboter zur Versorgung von Haustieren
  • Vernetzte Produktionsanlagen

Auch im Internet finden sich viele inspirierende Ideen, wie z.B. diese hier:

Weiterführende Informationen

Das Original dieses Artikels ist auf Der Produktmanager erschienen (©Andreas Rudolph). Regelmäßige Artikel gibt es über die (→Mailingliste), oder indem Sie →mir auf Twitter folgen. In der Online Version finden Sie hier die versprochenen weiterführenden Links:

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