Wikinomics und Streetfashion

In meinem jüngsten Artikel zu Innovation (→ Erfindungen in Zeiten der Sparsamkeit: Werden Sie Radikal), war die Rede von unkonventionellen Innovationsmethoden.

Wo muss man suchen?

Meiner Erfahrung sollte man Innovationen dort suchen, wo typische Kunden die Produkte verwenden, und sie auf ihre eigenen Bedarfe modifizieren (siehe auch die Ideen und Studien aus → Hören Sie nicht einfach auf Kunden: Fragen Sie Lead Users).

Hier ein kurzes Beispiel aus der Modeindustrie, das dieses Prinzip verdeutlicht. Ich wähle diese Industrie aus folgenden Gründen:

  • Diese Industrie ist besonders innovationsfreudig, da sie mehrere Zyklen pro Jahr unterworfen ist, und weil Mode bekanntermaßen besonders schnelllebig ist,
  • Mode begeistert viele Menschen, sodass hier viele Menschen mitarbeiten.

Die Modebegeisterten

Modebegeisterte haben schon seit je her die Straße zu Ihrer Bühne gemacht. Yves Saint-Laurent hat in den 1960iger Jahren als einer der ersten Modeschöpfer damit begonnen, Stilelemente der Straßenmode systematisch in seine Mode zu übernehmen. Zum Beispiel hat er sich damals von den Beatniks inspirieren lassen, und aus ihrem Bekleidungsstil eine eigene Kollektion entworfen.  S

päter hat er dann aus Funktionsmode den Safari-Look entwickelt, oder sich von russischer Folklore inspirieren lassen. Seitdem sind ihm viele Modeschöpfer nachgefolgt, und haben Einflüsse der fashionistas in ihre Arbeiten einfliessen lassen.

Während die Mode in der damaligen Zeit überaus uniform war, ist sie heute stark individualisiert und hat sich anarchisch weiterentwickelt. Inzwischen existiert quasi kein Trend, der nicht auf der Straße weiterentwickelt wird. Viele entstehen dort sogar.

Unter Street Fashion versteht man eine extrem personalisierte modische Ausdrucksform. Sie besteht daraus, dass der Modebegeisterte kreativ wird, und aktuelle Modetrends interpretiert und anpasst auf die lokalen Gegebenheiten oder seine eigenen Vorlieben.

Ziel hierbei ist es, einen individuellen Bekleidungsstil zu entwickeln, und eine einzigartige Kleidung zu tragen. Street Fashion wird normalerweise zuhause hergestellt. Hierbei werden verschiedene Materialien, und sogar Reste verwendet, und frei kombiniert oder weiterverarbeitet.

Streetfashion in den Medien und im Internet

Vor einigen Jahren haben Zeitungen, wie die New York Times damit begonnen, regelmäßig über besonders gut angezogene Menschen zu berichten.

Ein bekannter Fotograf ist → Bill Cunningham, der seit vielen Jahren regelmäßig New Yorker auf den Straßen anspricht, und sie für die New York Times fotografiert. Er hat hiermit einen gewissen geschmacksbildenden Einfluss gewonnen auf die Modeindustrie, wie folgendes Zitat zeigt:

I don’t know how many times he has taken my photograph, but we all dress for Bill. You feel he’s the only one who notices or cares how you dress. I wonder if Bill will like this. And it’s always a flattering picture he chooses. He picks everything carefully, so you will look your best. He’s a very seductive guy. – sagt ANNA WINTOUR, editor in chief of Vogue in der New York Times

Seit der allgemeinen Weiterentwicklung des Internet sind sehr viele Seiten im Internet entstanden, die sich der Streetmode widmen. Hier ein paar Beispiele.

Style Arena (Japan)

In Japan sind besonders experimentierfreudige Jugendliche zu finden. Derzeit werden in Japan verschiedene Stile weiterverfolgt, die auf unterschiedlichen Grundmustern aufbauen.

Die Internetseite → Style Arena befasst sich mit der Straßenmode in Japan, und nimmt hierzu regelmäßig junge Japanerinnen auf. Dort ist zu sehen, wie die jungen Japanerinnen unter dem Namen → Shibuya einen jungen sexy Stil interpretieren,  oder unter dem Namen → Omotesando einen eher damenhaft verspielten Stil weiterentwickeln.

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Street – Fashion Net

Auf  → www.street-fashion.net habe ich Beiträge gefunden, die die derzeit neuesten Trends behandeln (z.B new Vintage Trend). Dieser Trend greift Stilelemente der 1980iger neu auf, und erweitert ihn auf heutige Belange.

Besonders Interessant finde ich die folgenden Zitate, da sie das typische Entwicklungsmuster verdeutlichen, mit denen sich diese Ideen in Produkte verwandeln lassen:

„A subculture is usually created just by companies NOT mass producing trends, but I guess they all decided it was time for vintage fashion …

Due to companies like American Apparel bringing old styles to the main strip, I think that the people interested in 80’s vintage are getting younger, making it more profitable for companies to consider. …

One thing they are doing that is different, and in most cases worth paying more for, is improving the material and cut just enough to fix what was awkward of uncomfortable about some clothing of the past, sometimes. “ sagt street-fashion.net

NewMarketing Blog und die Hel Looks

Karin Janner zeit in ihrem Blogbeitrag → Jeder ist ein Modedesigner – Streetfashion-Blog HelLooks ebenfalls Modeinterpretationen. Sie bespricht die Webseite → Hel-Looks von Liisa Jokinen und Sampo Karjalainen, die seit Juli 2005 Leute portraitieren, die sie in Helsinkis Straßen treffen.

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In dieselbe Richtung geht der Blog → www.styleclicker.net. Die Autoren stellen die Stile der jeweiligen Modemetropolen dar.

Thesatorialist

Der Blog → www.thesartorialist.com hat es zu einem gewissen Kultstatus gebracht (vom Time Magazine zum Top 100 Design Influencer gewählt). Dort geht es um Street-Styles.

Dabei liegt der Fokus auf Fotos mit kurzen Interpretationen. Er zeigt entweder einzelne Personen, oder Style Profiles, in denen er den Stil einer Person interpretiert, bzw eine Stilrichtung vorstellt.

Fazit

Die Beispiele aus der Modewelt zeigen, dass es sinnvoll und möglich ist, die Kreativität von Nutzern in den Produktentwicklungsprozess einzubeziehen. In den gezeigten Fällen geht es darum, zunächst einmal zu erfassen, wie die Nutzer mit einem Bedürfnis umgehen, und wie sie es an ihre eigenen Bedürfnisse adaptieren.

Während es dort vielleicht ausreicht, Passanten zu fotografieren, ist es bei anderen Produkten gegebenenfalls sinnvoll eine eigene Community zu organisieren, oder den Blogspace zu beobachten.

Alternativ können Sie sich auch in Online Foren einklinken, die die Themen handeln, die für Ihre Firma von Interesse sind. Ich persönlich halte die hier skizzierten Methoden für relativ universell einsetzbar, sofern man klären kann, wie man die eigenen Nutzergruppen am sinnvollsten einbindet.

Informationen

Das Original dieses Artikels ist auf Der Produktmanager erschienen (©Andreas Rudolph). Regelmäßige Artikel gibt es über die (→Mailingliste), oder indem Sie →mir auf Twitter folgen. In der Online Version finden Sie hier die versprochenen weiterführenden Links:


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